Am Sonntag (19.06.2022) waren wir mittags verabredet. Nach einem schönen langen Frühstück mit Claudia, Jürgen, Jörn und Friedhelm lagen wir auf dem Bett und haben ein bisschen gechillt bis wir los wollten und Aurelia hat geschlafen. Dann kamen die ersten Nachrichten in WeChat. Macao hat 12 positive Fälle, Massentest in Zhuhai. Wir haben es also genau eine Woche ohne Test geschafft.
Wir haben unsere Verabredung abgesagt und mussten erst einmal rausfinden, wie das mit dem Testen hier läuft. Wo müssen wir denn da eigentlich hin? Das Hotel hat uns auf Nachfrage ein Taxi gerufen, welches uns zu einer Teststation gefahren hat. Die Laune? Bescheiden.
Die Schlange an der Teststation war zwar relativ lang, das Testen ging aber sehr schnell. Zunächst braucht man einen grünen Health Code (hier ist der letzte PCR-Test hinterlegt), um überhaupt getestet werden zu können. Danach lässt man einen anderen QR-Code scannen, damit der Test zugeordnet werden kann. Und hinterher bekommt man – hoffentlich – dann wieder seinen grünen Health Code (mit dem man dann wieder zum Testen darf und sich allgemein als gesund ausweisen kann/muss). Wir haben gehört, dass die Tests von zehn Leuten gemeinsam ausgewertet werden. Das würde auf jeden Fall erklären, wie man eine ca. 2,5 Millionenstadt an einem Tag durchtesten kann. Und warum nach 10 Leuten eine Person das Röhrchen für die Tests der nächsten zehn Personen in die Hand gedrückt bekommt. Wir haben aber auch mitbekommen, dass manche Leute gar nicht beim Testen waren. Ohne Test kommt man nur nirgends mehr rein. Selbst beim Hotel brauchen wir einen Test (wie wir festgestellt haben, als plötzlich drei Wachmänner an den Schranken zum Hotelbereich saßen). Wie alt der Test sein darf? Wir wissen es nicht genau. Nach etwas Ärger mit einem 48h-Test und aufgrund der Tatsache, dass Krankenhäuser einen maximal 48h-Test erwarten und manche Malls einen 24h-Test, tapern wir nun alle jeden Tag brav zum Testen. Auch Aurelia macht jedes Mal brav den Mund auf. Nach ihrem Testergebnis hat zwar noch niemand gefragt, aber wir sind da lieber abgesichert.



Nach unserem ersten Test am Sonntag haben wir unsere Stimmung gehoben, indem wir gemeinsam zum Vanguard, einem Supermarkt, gelaufen sind und uns einen Überblick der Produkte verschafft haben. Und wir haben ein bisschen was gekauft. Lotus Biscoff Kekse sind bei mir momentan ein absolutes Muss. Zucker und so. Wir haben aber auch einiges anderes Interessantes gesehen – bekannte westliche Produkte (Snickers, M&Ms, Oreo, deutsches Bier, Lotus Biscoff Kekse etc.) und chinesische Produkte, an die ich mich mit Sicherheit niemals dran trauen werde. 😉 Beim Starbucks gab es dann noch Getränke, bevor wir gemeinsam zurück ins Hotel gegangen sind.







Die Männer mussten ab Montag jeden Tag zum Testen. Claudia, Aurelia und ich sind ab Dienstag jeden Tag losgegangen. Am Sonntagabend kamen dann noch Nachrichten, dass Stadtteile abgeriegelt wurden. Seitdem trifft es auch immer mal wieder einzelne Gebäude in New Town und Century City (wo wir hinziehen werden). Montag wollten Claudia und ich mit Aurelia bspw. zur Promenade (Lovers‘ Road), um dort etwas spazieren zu gehen. Allerdings war die Straße dorthin gesperrt und wir sind umgedreht. Dienstag waren Claudia und ich mutig und sind mit dem Taxi nach New Town zu Janina gefahren. Wir sind an einem der abgesperrten Stadtteile vorbeigefahren. Der Stadtteil ist mit Zäunen umgeben und alle paar Meter sitzt ein Wachmann, der aufpasst, dass keiner unbefugt herausgeht. Am Donnerstag waren wir mit Jörn in einem großen Vanguard Putzzeug etc. einkaufen, um unsere Wohnungen flott zu machen. Da wir noch keinen Schlüssel zu unserer zukünftigen Wohnung haben, durften wir unsere Sachen zunächst bei Jörn abstellen, der nur zwei Gebäude neben uns wohnen wird. Thomas, Aurelia und ich sind dann noch in unser Gebäude gegangen, um zu schauen, ob unsere Pakete (Staubsauger etc.) angekommen sind. Danach waren wir etwas essen und abends im Hotel kam die Nachricht, dass das Gebäude, in dem unsere Wohnung ist – und in welchem wir selber noch drin waren – abgesperrt worden ist. Man kam noch rein, aber nicht mehr raus. Gut, dass wir vorher rausgekommen sind! Die Personen im Gebäude werden getestet und in der Regel wird der Lockdown des Gebäudes am nächsten Tag wieder aufgehoben – vorausgesetzt, dass alle negativ getestet wurden.
Was wirklich nervig ist, ist die Tatsache, dass die Teststationen willkürlich auf- und abgebaut werden. Claudia und ich sind bei über 30 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit zu unserer Teststation gelaufen, und dann war die plötzlich weg! Stattdessen standen dort nun zwei Container und wir fragten, ob wir dort einen Test machen können. Nach einigen Minuten Kommunikationsproblemen hat uns der junge Mann das Fenster vor der Nase zugeschoben und verriegelt. Im Hotel konnte man uns eine andere Teststation nennen, die zum Glück sehr nah am Hotel war (nur in die andere Richtung). Dort wurden wir fotografiert – warum auch immer – aber immerhin getestet. Am nächsten Tag war die Teststation dann aber auch wieder zu.
Wie geht’s weiter? Weiß keiner. Man muss auf alles gefasst sein. Wenn etwas abgeriegelt wird, erfährt man es nicht vorher, sondern wenn es gerade passiert oder schon passiert ist. Vorwarnung? Gibt es nicht. Für unsere Wohnung steht fest, dass wir einen Vorrat für vier Wochen kaufen werden, falls doch noch einmal ein längerer Lockdown kommt.
Am Anfang der Woche war ich mit allem wieder sehr am Hadern. In Deutschland soll man zu Hause bleiben, wenn man positiv ist. Kontrolle? Naja. Hier kommt man ins Krankenhaus, und ich bezweifle, dass man sich daraus selbst entlassen kann. Während Europa lockert, gibt es hier Lockdowns, die nicht vergleichbar sind mit dem, was wir aus Deutschland kennen. Mittlerweile habe ich mich zwar wieder gefangen, beobachte die Situation und hoffe, dass es uns nicht trifft. Mehr kann man ja auch gar nicht machen. Dennoch bin ich auch verunsichert. Aber irgendwie gewöhnt man sich auch dran – oder resigniert? Hoffen wir, dass sich die Situation schnell wieder entspannt! Immerhin können wir uns draußen bewegen. 🙂
